Aktuelles / Presse


  Wasserwelten

 

Der neue Trend zur Malerei ist auch in den Galerien rechts der Isar zu spüren. Mit Anton Petz präsentiert die Galerie Bernd Dürr die Werkgruppe eines jungen, politisch motivierten Künstlers, der in großformatigen Bildern Menschenmassen auf Demonstrationen und Flüchtlingsschiffen zeigt, die sich zu einer einzigen vibrierenden Fläche verdichten. Ganz klassisch dagegen die Galerie Dube-Heynig. Sie präsentieren zum 100. Geburtstag von Hans Hartung Malereien und Zeichnungen des Meisters. Fernweh könnte bei einem Besuch der Walter Storms Galerie aufkommen. In einer Doppelausstellung mit Klaus Mettig präsentiert Christoph Brech Fotografien, die er bei einer Atlantiküberquerung per Containerschiff aufgenommen hat. Jeden Morgen fotografierte er zur gleichen Zeit den Horizont und die Wasseroberfläche, so dass ein Reisetagebuch der besonderen Art entstand. Auch ein Abstecher in die Galerie Mosel und Tschechow lohnt sich. Unter dem Titel „Poesie“ zeigen dort 15 Künstler, was ihnen zum Thema Kommunikation so alles einfällt.

 

Süddeutsche Zeitung; SZ Extra Open Art vom 9. bis 15. September 2004

 

   
 
  Munich Found, Mai 2004

 
 
  Rendezvous mit der Kunst

Im Rathaus zeigen Münchens Galeristen ihr „erstes Bild“

Das erste Mal ist immer besonders:
Der erste Freund, die erste eigene Wohnung, das erste Auto – wer könnte die kleinen Premieren des Lebens jemals vergessen. Wie die Henne ihre Küken haben sie uns geprägt. An ihr erstes Rendezvous mit der Kunst erinnern sich jetzt in Ankündigung der „Open Art“ (13./14./15. September) Münchens Galeristen. In der Rathausgalerie zeigen sie von Dienstag, 10. September, an ihre „ersten Bilder“ und schildern in kurzen Texten – mal schmunzelnd, mal nachdenklich – ihre ganz persönlichen Geschichten dieser Aufeinandertreffen.

In einem Münchner Ramschantiquariat entdeckte Bernd Dürr einst „zwischen Bergen wertlosen Papiers eine interessante Mappe“. Erst Jahre später sollte er erfahren, dass es sich bei den Bleistift-Öl-Kompositionen um Werke des 1964 verstorbenen Franz Esser handelte. Vor zehn Jahren traf er sich mit dessen Sohn. Karl Pfefferle wiederum erwarb sein erstes Bild, eine Arbeit von Jiri Georg Dokoupil aus der Serie „Blaue Bilder über die Liebe“, in Köln. Zur Eröffnung seiner Galerie verkaufte er es an einen Sammler – der es nach etwa 15 Jahren wieder zurückbrachte. Er hatte das eigentliche Motiv des Bildes entdeckt: einen überdimensionalen Penis. Mit jedem neuen Satz, den man über die Bilder – unter anderem von Johannes Grützke, Ernst Wilhelm Nay, Max Ernst – erfährt, verändern sie sich. Angereichert mit Emotionen rücken sie ein Stück näher, oder ein wenig fort.

Open-Art – Open Mind: Mein erstes Bild;
Dienstag, 10., bis Freitag, 20. September,
Rathausgalerie Marienplatz 8,
Di.-Fr. 10-18 Uhr,

am Samstag, 14.Sept., bis 20 Uhr,
Telefon 23 32 78 67

Süddeutsche Zeitung; SZ Extra vom 5. bis 11. September 2002

 

 
 

Gursky statt Gucci

Der internationale Kunstmarkt steht im Zeichen des Generationenwechsels. Junge Galeristen und junge Sammler betreten die Bühne. Sie bevorzugen hochwertige Label.

Bernd Fesel weiß nicht, wohin die Reise geht. Dem Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Galerien (BVDG), und damit auch dem deutschen Kunstmarkt, fehlen zwei Antworten: Was bringt Basel? Und wie entwickelt sich die US- Konjunktur?Denn die Art Basel, nach Eigenwerbung "unbestritten die weltweit größte und wichtigste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst", formuliert die Kunsttrends und die amerikanische Konjunktur entscheidet, ob sie gekauft werden.

Für Bernd Dürr, den Inhaber der gleichnamigen Münchner Galerie, geht es am Kunstmarkt zu wie an der Börse. Dürr: "Hier gibt es Zyklen, Wellentäler, Aufs und Abs. Trends und Tendenzen wechseln häufiger als in früheren Jahren. Es ist wie am Neuen Markt." Auf den Auktionen seien Nachfrage und Bewertung zunehmend weniger nachvollziehbar, was damit zu erklären sei, dass sich durch den Generationenwechsel im Kunsthandel gewachsene Strukturen auflösten: "Immer mehr private Käufer bestimmen die Auktionsergebnisse, bei gleichzeitiger Abnahme an erfahrenen Sammlern", klagt Dürr.

Kaufentscheidungen werden währungspolitisch getroffen, entdeckte Galeristen- Funktionär Fesel: "Es gibt momentan ein Indiz dafür, daß die Amerikaner bald stärker einsteigen, denn sie könnten die starke Stellung des Dollar gegenüber dem Euro nutzen." Strategische Überlegungen wie an der Devisenbörse oder am Neuen Markt bestimmen den Kunstmarkt. Und auch die Akteure - zumindest auf Käuferseite - scheinen sich vom Grundmuster her zu ähneln.

Kunst- Shopping
Junge, erfolgreiche Reiche, die junge, erfolgreiche Kunst suchen, die sie reicher macht. Allerdings wird am Kunstmarkt seit einigen Jahren weit weniger spekulativ gekauft. Mangels differenzierter Kentnisse shoppt ein Großteil der jüngeren, coolen Generation Kunst wie Mode. Bei anspruchsvoller Druckgrafik sind internationale Namen wie Warhol, Lichtenstein, Mirò oder Picasso gefragt, bei Fotografie Arbeiten von Helmut Newton. Man will nichts falsch machen, man trägt Label (auch an der Wand).

So kommt es immer wieder zu irrationalen, weit überzogenen Ergebnissen, aber auch zu vielen Ladenhütern. "Das junge Medium Fotografie zieht seit drei, vier Jahren viele Nachwuchs- Sammler zwischen 30 und 40 an", beobachtet der BVDG- Geschäftsführer. Bernd Fesel zitiert den Düsseldorfer Fotografen Andreas Gursky, der sich mit seinen Bildern dem Thema "Der Mensch und das Kleinteilige" verschrieben hat und zu Höchstpreisen gehandelt wird. Seine Bilder zeigen beispielsweise das Gewusel von Börsenhändlern aus New York, deren verschiedenfarbige Jacketts zwar ein chaotisches Gewebe signalisieren, doch werde "gleichzeitig eine Struktur inmitten dieses Durchschnitts sichtbar", so Fesel. Ein "N.Y. Mercantile Exchange"- Print der New Yorker Börse wurde unlängst für 292.000 Dollar versteigert.

"Das Gegenständliche wird verstärkt wahrgenommen", bestätigt auch Michael Haas, Inhaber der gleichnamigen Berliner Galerie. Auch zahlreiche jüngere Künstler würden sich an dieser Richtung orientieren. Gegenwärtig hätten viele ihr Herz für den Realisten Karl Hofer (1878- 1955) entdeckt. Kuno Schlichtenmaier, Mitinhaber der Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen in Gräfenau bei Stuttgart, macht zwei große Trends im Kunst-Business aus: Etablierte Namen, aber auch - als Ausweichterrain für den informierten Sammler - Künstler, die zwar nicht in der ersten Liga spielen, aber mit perfekter Qualität überzeugen. Jüngstes Beispiel: Ein Werk des veristischen Malers Richard Ziegler aus der Sammlung Fishman brachte auf einer Londoner Auktion 200.000 Mark. Interessante Anlagen sind auch weit günstiger zu haben. Bei Bernd Dürr sind es vor allem die gegenständlich arbeitenden Zeitgenossen Gottfried Leitner und Henning von Gierke, die auf großes Interesse stoßen. Kosten von GierkesBilder (bei einem jährlichen Preisanstieg von 5 bis 10 Prozent) zwischen 4.500 und 30.000 Mark, sind Leitners Arbeiten noch für 3.000 bis 15.000 zu haben. Während von Gierkes Bildern ein leichter Hang zur Romantik zu eigen ist, zeigt Leitner kleine, einsame Menschen in bedrohlichen Situationen auf großen monochromen Farbflächen.

Als Anleger sollte man kaufen, wenn die Preise unten sind. Ausreichende Kentnisse über die Bedeutung des Künstlers und den Stellenwert des Werks innerhalb seines Gesamtoeuvres sind Voraussetzung. Beispiel Leo Putz: Die Bilder des Südtiroler Genre- Malers (1868- 1940) waren in der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten. Jahrzehntelang wurde seine Kunst weit unterbewertet. "Als ich Mitte der Siebziger für ein frühes Hauptwerk von Putz bei 8.000 Mark den Zuschlag erhielt, lachte der ganze Saal", sagt Galerist Dürr. "Heute muss man für vergleichbare Bilder mit 380.000 und 450.000 Mark rechnen".

Die Tele-Börse vom 14.06.2001, Heft 25

     





In-München, März 2002 Munich-Found, März 2002